201—
hängt doch die Hoheit und die Würde der Könige, und wie oft ſchaut unter dem Purpur das elende, macht⸗ loſe Menſchenkind hervor. Trotz all' meiner Macht und Größe, und trotz meiner Armee wäre der Prinz Auguſt Wilhelm entflohen, um ein Verbrechen zu be⸗ gehen, das ihm wohl Gott und ſein Gewiſſen, aber nimmermehr der König verzeihen kann! Armer Wil⸗ belm! Du wirſt den kurzen Traum Deines Liebes⸗ glückes theuer bezahlen müſſen, und man wird Deine Illuſionen und Dein Herz zertreten, wie man einſt das Meine zertreten hat. Einſt! Es ſind kaum neun Jahre her, und doch ſcheint mir, daß ich ſeitdem um ein
Jahrhundert gealtert bin, und daß eine unzerſtörbare
Eisrinde ſich um mein Herz gelagert habe! Ich weiß es, dieſe Eisrinde wird mit jedem Tage härter wer⸗ den, und die Menſchen werden das ihre dazu thun, dieſe Menſchen, welche ich ſo gerne lieben möchte, und die ich doch täglich mehr verachten lerne!.
Er ging traurigen, geſenkten Hauptes langſam auf und ab. Sein edles, ſchönes Angeſicht war wie mit einem düſtern Trauerſchleier verhüllt, und ſeine Züge zuckten in heftiger, ſchmerzvoller Aufregung. Das dauerte nur kurze Zeit, dann nahmen ſie wieder ihren ge⸗ wohnten heitern und erhabenen Ausdruck an.
Der König richtete den Blick wieder empor, und ſeine Augen ſtrahlten jetzt von einem edlen Feuer. Ich will nicht grauſam ſein, ſagte er. Muß ich ſchon ſein Glück zerſtören, ſo will ich es doch nicht in den Staub und den Schmutz der Gemeinheit binabziehen, wie man es mir gethan hat, als man den Freund auf das
Blutgerüſt führte, und ein armes, unſchuldiges Kind mit
Geißelhieben durch die Stadt peitſchte, weil ſie es ge⸗ wagt hatte, den Kronprinzen von Preußen zu lieben! dein, nein, das Fräulein von Pannewitz ſoll nicht das


