Der König ſah den kecken Sprecher anfangs faſt entſetzt an, dann flog ein ſanftes Lächeln durch ſeine Züge, und ſein Blick war jetzt weich und mitleidsvoll.
Ich habe es alſo mit einem Wahnſinnigen zu thun, dachte er, ſchonen wir ſeiner, und geben wir ſeiner Laune nach!— Sein Preis iſt Ihm bewilligt, ſagte er daher laut, rede Er jetzt alſo!
Und Fritz Wendel begann zu reden. Er enthüllte dem König das Liebesverhältniß des Prinzen, er theilte ihm den Plan zur Flucht des Prinzen mit, er war ſo genau und beſtimmt in allen ſeinen Angaben und Auseinanderſetzungen, daß der König ſehr wohl einſah, er habe es nicht mit einem Wahnſinnigen zu thun,
und dieſes Geheimniß ſei kein Gebilde ſeiner Phan⸗
taſie, ſondern eine drohende, ſchreckensvolle Wahrheit.
Als Fritz Wendel daher geendet, ging der König die Hände auf dem Rücken gefaltet, mit raſchen Schrit⸗ ten einige Male im Zimmer auf und ab. Dann blieb er plötzlich vor Fritz Wendel ſtehen, und ſchien mit ſeinen ſcharfen, durchbohrenden Blicken auf dem Grunde ſeines Herzens leſen zu wollen.
Kann Er ſchreiben? fragte der König.
Ich kann deutſch, franzöſiſch, engliſch und lateiniſch ſchreiben, ſagte Fritz Wendel ſtolz.
Setze Er ſich dorthin, und ſchreibe Er deutſch, was ich Ihm dictiren werde. Kennt das Fräulein von Schwerin Seine Handſchrift?
Sie hat wenigſtens zwanzig Briefe von mir empfangen, Sire!
So ſchreibe Er ihr jetzt den einundzwanzigſten, aber ich will Ihm dictiren.
Es war ein kurzer, lakoniſcher, aber ſehr zärtlicher und dringender Liebesbrief, welchen der König ihm dictirte. Fritz Wendel forderte darin ſeine Geliebte


