Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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— 195— XVI. Enthüllungen.

Drei Tage waren ſeitdem vergangen und noch immer wartete Fritz Wendel vergeblich auf irgend ein Zeichen, eine Botſchaft von ſeiner Geliebten, noch immer ging er vergeblich jeden Tag auf ſeinem unterirdiſchen Wege nach der Grotte hin, noch immer ſtand er die Nacht vergeblich unter ihrem Fenſter und hoffte auf ein Zeichen, einen Ruf von ihr. Ihre Fenſter blieben verhangen, ſchweigſam und ſtill, und Niemand von dem Hofgeſinde konnte dem armen Gärtner Nachricht geben über das Schickſal der armen Louiſe von Schwerin, welche indeß in ſtrengem Gewahrſam in ihrem Zimmer gehalten wurde, und der ſpeciellen Aufſicht der vertrauten Kam⸗ merfrau der Königin übergeben war. Die Königin hatte ihren Hofdamen geſagt, das Fräulein von Schwe⸗ rin leide an einer anſteckenden Hautkrankheit, der Leib⸗ arzt der Königin hatte dieſen Ausſpruch beſtätigt, und die Damen vor jeder Gemeinſchaft mit der Kranken gewarnt. Es bedurfte alſo keines ſpeciellen Verbots, um die Damen von dem Zimmer der armen Gefan⸗ genen fern zu halten, Louiſe war eine aufgegebene, verlaſſene Perſon, vor deren Thür alle Damen mit ängſtlicher Sorge vorüberflohen, immer fürchtend, dieſes gefährliche Scharlachfieber möge auch ſie ereilen und auf das Krankenbett werfen. 4

Aber die Königin, wie es ſchien, fürchtete keine Anſteckung. Man ſah ſie jeden Tag in das Zimmer des kranken Hoffräuleins gehen, und dor t lange Zeit verweilen. Niemand ahnte, welche peinli che und ent⸗ ſetzensvolle Geſühle dieſe zürtliche Thenln ahme der

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