Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ich habe wahrlich beſſer von Ihnen gedacht, ſagte ſie. Ein Kind zu verführen iſt in der That eine ſehr leichte, aber auch eine ſehr verachtungswürdige That für einen königlichen Prinzen.

Meine Mutter, rief der Prinz entſetzt, Sie glauben

doch nicht—

Ich glaube, was ich ſehe, unterbrach ihn die Kö⸗ nigin. Enden Sie jetzt daher mit Ihren Betheuerungen und Unſchuldsverſicherungen, und beugen Sie Sich der ſtrengen Wahrheit, welche trotz Ihres Leugnens Sie gerichtet hat. Und was Sie anbetrifft, mein Fräulein, ſo gebiete ich Ihnen, mir zu folgen, und ſich ſchwei⸗ gend und ohne Widerrede und Entſchuldigungen meinen Befehlen zu fügen. Kommen Sie, und nehmen Sie gefälligſt eine heitere und unbefangene Miene an. Ich will nicht, daß mein Hof von dieſem Scandal erfahre, und in Ihren entſetzten Mienen Ihre Schuld und Ihr Verbrechen leſe. Daß Sie nicht durch Worte ſich ver⸗ rathen, das wird meine Sorge ſein. Kommen Sie.

Sie faßte gebieteriſch den Arm des kleinen Hof⸗ fräuleins und ging mit ihr die Halle entlang.

Der Prinz blickte ihnen erſtaunt und verwirrt nach. Nun, wie auch immer dies Räthſel ſich löſen möge, murmelte er, als die Königin mit ihrer Hofdame das Treibhaus verlaſſen hatte, Laura iſt jedenfalls gerettet, und in acht Tagen werden wir fliehen.

*

4⁴