— 190—
Königin ſehr wohl begriff, ihr Erſcheinen ſei ihm nicht blos überraſchend, ſondern auch unerwüuſcht ge⸗ kommen.
Sie fragte daher den Prinzen mit ſtremgem Ton um die Urſache dieſes unerwarteten und ungewohnten Beſuchs ihres Treibhauſes, und als Auguſt Wilhelm lächelnd erwiderte, er habe hier das Erwachen der Königin abwarten wollen, um ihr dann ſeinen Beſuch zu machen, fragte die Königin mit Heftigkeit: und wer, mein Sohn, leiſtete Ihnen bei dieſem langwei⸗ ligen Geſchäft des Erwartens Geſellſchaft?
Niemand, meine theure Mutter, ſagte der Prinz, aber er wagte es nicht dem forſchenden Auge ſeiner Mutter zu begegnen..
Niemand? wiederholte ſie. Ich hörte Sie indeß reden, als ich das Gewächshaus betrat.
Sie wiſſen wohl, Majeſtät, daß ich die Gewohn⸗ heit meines Vaters geerbt habe, und zuweilen mit mir ſelber rede, erwiderte der Prinz mit einem er⸗ zwungenen Lächeln.
Der König mein Gemahl verſtummte aber nicht in ſeinen Selbſtgeſprächen, wenn ich zu ihm trat, rief die Königin heftig, er hatte keine Geheimniſſe vor mir,
wenn ich kam fuhr er fort in ſeinem lauten Selbſt⸗
geſpräch und ließ mich alſo Theil nehmen an ſeinen innerſten Gedanken.
Der König, mein erhabener Vater hatte immer
auch große und thatenreiche Gedanken, welche der Theilnahme der Königin Sophia Dorothea würdig waren, ſagte der Prinz, ſich ehrfurchtsvoll verneigend.
Gott verhüte, daß die Gedanken ſeines Sohnes anderer, und minder würdiger Art ſeien„rief die Kö⸗ nigin mit flammenden Augen. Meine Söhne ſollten mindeſtens zu ſtolz ſein ihre Lippen mit einer Lüge zu


