Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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mich nicht gemartert und gequält, habt Ihr mich nicht mit lachendem Munde ermordet, wie Ihr Eure Mutter ermordet habt, Eure Mutter, welche vor Gram über Euch geſtorben iſt? Nein, nein, kein Mitleid mit den unnatürlichen Kindern. Sie ſind enterbt, enterbt, enterbt!

Und mit einem lauten Kreiſchen ſank der Alte auf ſein Lager zurück, laut äichzend und ſtöhnend, während ſeine Züge jenen eigenthümlichen, ſtarren und ehern⸗ gefurchten Ausdruck annahmen, wie er das menſchliche Antlitz überſchleicht, ein grauſiger Herold des Todes, der kommt, ſein Opfer zu empfangen.

Er ſtirbt! Er ſtirbt! ſchrie Anna, ſich über das Bett ihres Vaters werfend. Er ſtirbt, und er hat mich enterbt.

Ja, enterbt! lallte die ſchwere Zunge des Ster⸗ benden.

Pöllnitz fühlte ſein Herz erbeben bei dieſem An⸗ blick, mit haſtigen Schritten floh er aus dieſem un⸗ heimlichen Gemach, ſtürzte er die Treppe hinunter, die Hausthür ſo heftig aufreißend, daß die Klingel mit einem lauten, wilden Gekreiſch durch das ſtille Haus ertönte.

Erſt als er in ſeinem Wagen ſaß und wieder dem Schloſſe zueilte, fand er ſeine Ruhe und Gelaſſenheit wieder und ſich gemächlich in die ſeidenen Polſter zu⸗ rücklehnend, ſagte er: ich werde. beim König um meine Entlaſſung einkommen, ich werde proteſtantiſch werden und dann nach Nürnberg eilen, um die reiche Patri⸗ zierin zu heirathen.

Friedrich der Große. II. 12