Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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ſeine Liebe, und Anna hörte ihm zu mit ſtrahlenden Augen und einem glücklichen Lächeln, als ſie plötzlich durch ein lautes Klagen und Wimmern, welches aus dem anſtoßenden Gemach ertönte, unterbrochen wurde.

Mein Vater! Es iſt mein Vater! rief Anna ent⸗ ſetzt, indem ſie raſch nach der Thür, und in den an⸗ ſtoßenden Ahnenſaal eilte, wohin Pöllnitz ihr nach⸗ folgte. Dort, inmitten ſeiner Ahnen, der würdigen und angeſehenen Hofkleidermacher, lag der Hofkleidermacher zweier Königinnen, der Abkömmling und Erbe eines ſo glorwürdigen Geſchlechtes, auf ſeinem Schmerzens⸗ lager.

Bleich und farblos, wie die Ahnenbilder, war auch das Antlitz des Herrn Pricker, aber nicht ſtier und glanzlos war ſein Auge, wie bei dieſen, ſondern leuch⸗ tend in einer wilden, fieberhaften Gluth. Als er Anna in ihrem glänzenden franzöſiſchen Hofcoſtüm, das ſie noch nicht abgelegt hatte, erblickte, tönte von ſeinen Lippen ein ſo wildes, ſchauerliches Lachen, daß ſelbſt Pöllnitz ſein Herz erbeben fühlte. 4

Komm her zu mir, Du würdige Schweſter Deines

Bruders, ſagte der Alte mit lallender Stimme, indem

er mit ſeiner gelben abgezehrten Hand ſeine Tochter an ſein Lager winkte. Komm her, und höre, was ich Dir zu ſagen habe. Du und Dein Bruder, Ihr habt mein Herz gebrochen, Ihr habt mir täglich einen Tropfen Gift gegeben, und ich bin langſam, Tag für Tag daran geſtorben. Dein Bruder hat wie der verlorene Sohn das Haus ſeines Vaters verlaſſen, aber nicht wie dieſer iſt er reuevoll zurückgekehrt, ſondern mit keckem Ueber⸗ muth rühmt er ſich ſeines Verbrechens und wirft mir ſeine Schmach hohnlachend ins Angeſicht. Sieh, da iſt der Brief, welchen ich heute von ihm empfing, und