Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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daß er meinen Bruder, welcher ſeit drei Tagen Berlin verlaſſen hat, enterben will. Ich werde alſo ſeine alleinige Erbin ſein, und das wird bald ſein, denn mein Vater iſt unrettbar verloren, der Arzt giebt ihm nur noch einige Tage zu leben.

Die Augen des Barons blitzten höher auf. Hat Dein Vater ſchon ſein Teſtament gemacht? Hat er Dich zu ſeiner Erbin eingeſetzt?

Heute wollte er das thun. Er hatte die Gerichts⸗ beamten hierher beſtellt, und ich glaube, daß ſie bei ihm waren, als ich zu dieſem unſeligen Concert fuhr. Es iſt alſo nicht um des Geldes willen, daß ich eine Sängerin werden ſollte, ſondern nur um des Ruhmes willen! Aber jetzt entſage ich dieſem Vorſatz; der heutige Abend hat mir gezeigt, daß es auch Dornen giebt auf dieſer Künſtlerbahn, welche ich nur mit Roſen beſtreut glaubte. Ich entſage dem Ruhm und, der Ehre, und will und verlange nichts mehr, als glücklich zu ſein, glücklich durch die Liebe. Ja, Pöllnitz, Sie haben Recht, fliehen wir dieſes treuloſe, kalte Berlin, gehen wir in ſchönere Gegenden. Dort wollen wir uns Villen, Schlöſſer und Landgüter kaufen, dort wollen

wir ein glückliches Liebesleben führen, und die Welt

ſoll kein glücklicheres Paar kennen, als den Baron und die Baronin von Pöllnitz.

Dies Mal empfand Herr von Pöllnitz keinen Widerwillen bei dem Gedanken, daß die Tochter des Schneiders den kühnen Gedanken faſſen konnte, ſeine Gemahlin werden zu wollen. Um ihrer ſiebenmal⸗ hunderttauſend Thaler willen verzieh er ihr dieſen Uebermuth, fand er, daß es gar kein ſo demüthigendes Geſchick ſei, der Gatte der ſchönen Anna Prickerin zu werden. 1 Er betheuerte ihr alſo in leidenſchaftlichen Worten

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