Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 167—

Sire, ſie iſt eine Schülerin von Quanz, ſagte Pöllnitz, und Quanz hat mir ſelber oft verſichert, daß dieſe Anna Prickerin einſt eine große Sängerin werden würde.

Ah, ſie iſt eine Schülerin von Quanz, wiederholte der König, indem er ſeine Blicke hinüberſchweifen ließ nach Quanz, der mit furchtbar verdrießlichem Antlitz, mit finſter zuſammengezogenen Augenbraunen vor ſeinem Notenpulte ſaß.

Wenn er ein ſolches Geſicht macht, murmelte der König, brummt er immer ein paar Tage mit mir, und iſt niemals mit meinem Flötenſpiel zufrieden. Wir müſſen ihn daher zu beſänftigen ſuchen, und wenn dieſe Mamſell Pricker wieder ſingt, werde ich Quanz den Gefallen thun, ein wenig zu applaudiren..

Aber Anna Prickerin ſang nicht wieder. Sie war wie zerbrochen auf ihren Seſſel zurückgeſunken, ein un⸗ geheurer Zorn ſchoß wie ein Strom von Feuer durch ihre Adern hin, ſie fühlte ſich dem Erſticken nahe. Sie fühlte wie die Thränen in ihre Augen ſchoſſen, wie es vor ihren Ohren wirbelte und brauſte, und als ſie jetzt ihre wirren, entſetzten Blicke umherſchweifen ließ, begegnete ſie den ſpöttiſchen, ſiegreichen Augen der Fa⸗ rinella, welche ihr das lachende, ſtolze Antlitz zugewandt hatte. Anna fühlte es wie ein Schwerdt durch ihr Herz fahren. Sie ſtieß einen Schrei aus und ſank bewußtlos zuſammen.

Was war das für ein Schrei und was bedeutet die unruhige Bewegung dort im Sängerchor? fragte der König, ſich in ſeinem Geſpräch mit dem General Nothenburg unterbrechend und Pöllnitz zu ſich winkend.

Sire, es ſcheint, als ob die Sängerin Anna Pricker in Ohnmacht gefallen iſt, ſagte Pöllniitzä.

Der König dachte, daß dies eine gute Gelegenheit