Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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Pöllnitz zuckte die Achſeln. Er hatte ein Gefühl, als ob in dieſem Moment ſeine Gläubiger ihn erfaßten und ihm die Kehle zuſchnürten.

Sire, flüſterte er tonlos, ich glaube es iſt die Anna Prickerin.

Die Tochter des Hofkeidermachers? fragte der König mit einem raſchen Auſblitzen ſeiner Augen.

Ich glaube, daß ſie es iſt, Majeſtät, hauchte Pöllnitz.

Jetzt lächelte der König nicht mehr, ſondern er lachte, ja er lachte, trotz der Fiorituren der wüthenden Sängerin, welche ſehr wohl Pöllnitzens Achſelzucken geſehen hatte und ihm im Geiſt dafür eine blutige Rache ſchwur. Er lachte, aber wie ſehr Anna Prickerin auch immer ſchrie und ſich abmühen mochte, der König applaudirte nicht.

Jetzt hatte ſie den letzten Ton ihrer Arie geſungen, und mit athemloſer, hochklopfender Bruſt wartete ſie auf ein Beifallszeichen des Königs.

Aber es kam nicht. Eine tiefe Stille trat ein. Niemand äußerte nur das leiſeſte Zeichen des Beifalls, der Bewunderung, ſelbſt Pöllnitz blieb ſtumm.

Wiſſen Sie gewiß, daß dieſe brüllende Signorina die Tochter unſeres Schneiders iſt? fragte der König jetzt, und als Pöllnitz es mit blutendem Herzen be⸗ jahete, fuhr der König lachend fort: ich habe ſchon gehört, daß man den Schneider einen nannt hat, aber ſeine Kinder ſind darum immer noch keine Nachtigallen, und eher kann der Schneider Pricker ein Kameel durch ein Nadelöhr ziehen, als er aus ſeiner Tochter eine Sängerin macht. Die Deutſchen verſtehen überhaupt nicht zu ſingen, und es iſt ein un⸗ begreiflicher Mißgriff von Graun, eine ſolché Sängerin vor uns ſingen zu laſſen. 1

Ziegenbock ge⸗