Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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noch beſiegen, denn ſie iſt eine elende Charlatanin;—

ihre Stimme iſt dünne, wie ein Zwirnsfaden, und ſpitz, wie eine Nähnadel, während die meine ſo voll und mächtig wie eine Orgel daher brauſt, und was ihre Fiorituren anbelangt, ſo verſtehe ich mich darauf eben ſo gut wie ſie.

Mit ſolchem Bewußtſein nahm ſie das Notenblatt zur Hand und wartete auf den Moment, wo das Ritornell beendet ſein würde. Mit vollkommen ruhiger

Miene blickte ſie auf den Tactirſtock des Kapellmeiſters

hin und lächelte, als ſie den angſtvollen Blick gewahrte, den ihr Lehrer Quanz auf ſie heftete.

Das Ritornell war beendet, Anna Prickerin be⸗ gann ihren Geſang. Ihre Stimme übertönte voll und mächtig das Orcheſter, aber der König ſaß ſtumm und

unbeweglich da, er machte nicht das kleinſte Zeichen

des Beifalls. Anna ſah das und ihre Stimme, welche nicht vor Angſt gezittert hatte, bebte jetzt vor Zorn. Aber ſie wollte durchaus die Bewunderung des Königs erregen, ſie wollte ihm imponiren durch die Kraft und Gewalt ihres Organs, ſie wollte ihn zwingen ihr zu applaudiren, wie er es der Farinella gethan. Sie nahm daher jetzt die ganze Fülle ihrer Stimme zu⸗ ſammen, ſie ließ die Töne mit übermäßiger Kraft aus ihrer Bruſt emporſteigen, ſie machte eine ſo gewaltige Anſtrengung, daß ſie ein Gefühl hatte, als ob jeder Ton ihr den Bruſtkaſten zerſprengen müßte.

Aber jetzt hatte ſie doch den Triumph, zu ſehen, daß der König lächelte.— Ja, der König lächelte, aber es war nicht jenes Lächeln, mit welchem er zuvor die Farinella gegrüßt hatte, es war das Lächeln des Spottes, der Verachtung faſt. Er wandte ſich an Pöllnitz. Wie heißt denn dieſes Frauenzimmer, welches da ſo abſcheulich brüllt? fragte der König. 3