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werther ſchien, die Gemahlin eines Barons als nur die Tochter eines Schneiders zu ſein, mochte derſelbe auch immerhin ein Hofkleidermacher und ein Mil⸗ lionair ſein.
Seit zwei Tagen erſt war der König von Breslau zurückgekehrt, und ſchon hatte Herr von Pöllnitz ſeiner ſchönen Anna einen Beſuch gemacht. Noch niemals war er ſo zuvorkommend, ſo zärtlich geweſen wie dies Mal, denn noch niemals hatte er das, was ihm früher unmöglich geſchienen, ſo ſehr als eine wünſchenswerthe Möglichkeit erachtet, noch niemals hatte er ſich ſo ernſt⸗ haft mit dem Gedanken befreundet, Anna Prickerin, die Schneiderstochter, zu ſeiner Gemahlin zu machen. Jetzt aber dachte er daran. Das Beiſpiel des Grafen Rhe⸗ dern hatte ihm Muth gemacht; was der König der Tochter des Kaufmanns und Fabrikanten bewilligt hatte, würde er auch der Tochter des königlichen Hof⸗ kleidermachers nicht verweigern wollen, vorzüglich wenn ſich dieſe durch ihr eigenes Verdienſt, durch ihre glän⸗ zende Begabung die Pforten des Königsſchloſſes, welche ihr ſonſt für immer geſchloſſen ſein würden, geöffnet hatte, wenn ſie durch die Gewalt ihrer Sirenenſtimme die Barriéren erbeben und niederſtürzen gemacht, welche die Schneiderstochter von der eigentlichen Geſellſchaft trennten. Wenn Anna Prickerin eine berühmte Sän⸗ gerin war, wenn es ihr gelang den Beifall des Königs zu gewinnen, ſo war ſie damit in den Adelſtand er⸗ hoben und Niemand durfte es anſtößig finden, daß der Baron von Pöllnitz dieſe gefeierte Sängerin zu ſeiner Gemahlin erheben wollte. Wenn alſo Anna's Geſang dem König gefiel, wenn er ihr Lob ſpendete, war Pöllnitz feſt entſchloſſen, ſich ſofort zu ihrem Ritter zu bekennen, und ſie bald möglichſt zu ſeiner Gemahlin zu erheben. Baldmöglichſt! denn die Gläubiger drängten


