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Wundermärchen las, er konnte es ihr mindeſtens in dieſen Tagen des Ceremoniells nicht verwehren an ſeiner Seite zu ſein, neben ihm zu ſitzen an der Feſt⸗ tafel und in dem Concert, mit welchem die königliche Kapelle und die neuangeworbenen italieniſchen Sänger die Wiederkehr des Königs begrüßten.
Graun hatte zu dieſem Tage eine eigne Feſtcantate componirt, und nicht allein die eben erſt angelangte
italieniſche Sängerin Laura Farinella, ſondern auch die
Schülerin von Graun und Quanz, die deutſche Sän⸗ gerin Anna Prickerin, ſollte in dieſem Hofconcert ſich hören laſſen.
Es war dies für Anna ein entſcheidender, be⸗ deutungsreicher Tag. Sie ſtand an der Eingangs⸗ pforte eines neuen Daſeins, eines Daſeins voll Glanz,
Ruhm, Ehre und Anſehen. Was kümmerte es alſo
ſie, daß ihr Vater ächzend und todeskrank auf ſeinem Lager ſtöhnte, was kümmerte es ſie, daß ihr Bruder Wilhelm ſeit drei Tagen nicht das väterliche Haus be⸗ treten hatte, und daß Niemand wußte, wo er war. Sie fragte nichts nach ihrem Vater und ihrem Bruder, ſie trauerte nicht um die jüngſt verſtorbene Mutter. Sie hatte nur einen Gedanken, nur eine Sehnſucht und ein Ziel, ſie wollte eine berühmte Sängerin wer⸗ den, nicht blos um ihrer ſelbſt willen, ſondern auch um damit ſich endlich die Hand dieſes Mannes zu gewinnen, den ſie weder liebte noch achtete, der aber den großen Vorzug beſaß, ein Baron und ein einflußreicher Herr bei Hofe zu ſein. Anna Prickerin hatte es ſich daher
uu einer Lebensaufgabe gemacht, die Gattin von Pöllnitz
zu werden, nicht weil ſie ihn liebenswerth fand, ſon⸗ dern weil er ein Baron war, weil er ihr eignes dunkles Herkommen mit dem Glanz ſeines Namens überſtrahlen ſollte, weil es für eine Sängerin ſchöner und empfehlens⸗


