— 158— X. von Pleß, die Grafen von Hochberg und viele Andere gingen aus dieſem Schöpfungsprozeß des Königs hervor.
Schleſien und Breslau waren jetzt alſo für den Moment unbeſtrittenes Eigenthum Preußens. Der König konnte nach Berlin zurückkehren, um ſich wieder den Studien, den Vergnügungen, den Freunden und ſeiner Familie zu widmen. Das Vorſpiel dieſes großen Drama's, genannt der ſiebenjährige Krieg, war jetzt zu Ende geſpielt, und während des Entre⸗Actes konnte der König ſich bei den Künſten und Viſſenſchaften, im behaglichen Genuß geſelliger Freuden ausruhen, und ſich ſtärken zu dem bald beginnenden erſten Akt, deſſen Acteur und Held er zu ſein vorhatte.
Berlin empfing den wiederkehrenden König mit lautem Jubelgeſchrei, es begrüßte mit ſtolzem Jauchzen ſeinen Herrſcher, der jetzt in den Augen des über⸗ müthigen, ahnenſtolzen Oeſterreichs nicht mehr der kleine Markgraf von Brandenburg war, welcher dem Kaiſer von Oeſterreich bei der Tafel das Waſchbecken halten mußte, ſondern der ſich empor geſchwungen hatte zu einem ſelbſtſtändigen König, zu einem König, welcher von Oeſterreich keine Geſetze mehr annehmen wollte, ſondern im Begriff war der Tochter der Cäſaren ſelbſt Geſetze vorzuſchreiben.
Und mit leuchtenden, freudeſtrahlenden Blicken ging die Königin⸗Mutter mit ihren Prinzeſſinnen den wieder⸗ kehrenden, ſiegreichen Söhnen bis an die äußere Schloß⸗ pforte entgegen, mit von Thränen des Entzückens ver⸗ ſchleierten Augen empfing die Königin Eliſabeth Chriſtine den heimkehrenden Gemahl, welcher indeß für ſie nur einen ſtummen Gruß, eine kalte ceremonielle Ver⸗ beugung hatte. Aber ſie ſah ihn doch wieder, ſie konnte doch ihre ganze Seele verſenken in dieſe ſtrah⸗ lenden Augen, in denen ſie für ſich die zauberhafteſten


