Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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herrſchaft, und die Preußen wurden bald genug die Lieblinge des ſchleſiſchen Volkes, beſonders der Frauen, welche mit zuvorkommender Bereitwilligkeit den ſchönen und kernigen preußiſchen Kriegern ihre Herzen entgegen trugen und in angſtvoller Liebeshaſt eilten, den raſch⸗ geſchloſſenen Bund der Herzen durch die Hand des Prieſters dauernd und unauflösbar zu machen. Hun⸗ derte von Ehen wurden in dieſen ſechs Wochen, welche der König in Schleſien verweilte, zwiſchen den preußi⸗ ſchen Soldaten und den ſchleſiſchen Landestöchtern ge⸗ ſchloſſen, und die preußiſchen Krieger, welche eben erſt als Fremdlinge den feindlichen Boden betreten hatten, gründeten ſich ſchnell genug dort den heimiſchen Heerd, und die Familie, ihrem König dadurch ein verdoppeltes Anrecht auf den Beſitz dieſer Provinz gebend, in der Frauen und Jungfrauen den preußiſchen Kriegern ſo ſchnell ſich unterworfen, und ſie zu ihren Herren ge⸗ macht hatten. Bald war es Mode geworden, daß die Frauen und Mädchen einen dieſer ſtattlichen preußiſchen Soldaten ihren Geliebten nannten, und je größer und ſtattlicher derſelbe war, deſto ſtolzer und freudiger fühlte ſich die glückliche Beſitzerin. Begegnete doch einſt dem Baron von Bielfeldt, welcher den König nach Breslau begleitet hatte, auf der Straße eine junge, ſchöne Bür⸗ gersfrau, welche laut weinte und klagte, uud jammernd ihre Hände rang. Als Bielfeldt ſie nach dem Grund ihrer Thränen fragte, ſagte ſie ganz naiv: ach Gott, ich bin gewiß eine beklagenswerthe Frau. Ich habe mich heut vor acht Tagen mit einem preußiſchen Gre⸗ nadier verlobt, welcher fünf Fuß neun Zoll maß, und ich war ſehr glücklich und ſtolz auf ihn. Heute aber hätte ich einen Gardiſten bekommen können, welcher ſechs Fuß und zwei Zoll mißt! Muß ich da alſo nicht klagen und weinen, da ſich mir ein ſo ſchöner Rieſe,