Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

gut geſpielten Rolle eines ungeduldig Liebenden habe täuſchen laſſen. Ich bin weder jung noch ſchön genug, um die Paſſion eines ſo ausgezeichneten und noblen Cavaliers, wie es der Graf Rhedern iſt, erwecken zu können. Sie ſind arm und nur reich an Schulden, Sie bedurften alſo durchaus einer reichen Gemahlin, und da ich zufällig mehr Geld beſaß, als alle die ſchönen und vornehmen Fräulein von Adel, ſo ent⸗ ſchloſſen Sie Sich einen Querbalken in Ihr Wappen aufzunehmen und ihn mit meiner Million Mitgift zu⸗ zudecken. Mit Einem Wort, Sie wählten mich, weil Sie es überdrüſſig ſind von Ihren Schuldnern ge⸗ drängt zu werden und in einem heimlichen glänzenden Elend zu leben, und ich— ich kaufte mir ſür meine Million den Grafen Rhedern, weil ich dadurch hoffähig ward.

Nun wahrlich, ſagte Graf Rhedern mit einem er⸗ zwungenen Lächeln, dies ſind höchſt ſeltſame, höchſt originelle Geſtändniſſe.

Die indeſſen nothwendig ſind, damit wir uns in der Zukunft nicht mit unnützem Komödienſpiel abmühen und heucheln, was wir Beide nicht empfinden.

Ich bin Ihnen noch ſchuldig zu ſagen, weshalb ich ſo ſehr wünſchte eine ſogenannte vornehme, das heißt, eine hoffähige Dame zu werden, denn für ſo albern werden Sie mich hoffentlich nicht halten, daß ich mir blos deshalb einen Grafen gekauft hätte, um Frau Gräfin titulirt zu werden. 3

Ich würde dieſen Wunſch für keine Albernheit ge⸗ halten haben, murmelte der Graf.

Nein, fuhr ſeine Braut fort, ich wollte Gräfin werden, um dadurch an den Hof zu kommen, um da⸗ durch befähigt zu werden, ein Glück zu genießen, um das mich Tauſende beneiden werden, um, gleich der