Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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Sehr viel, Ew. Majeſtät, und ich werde die Ge⸗ duld und Nachſicht meines Königs ſehr zu beanſpruchen haben, denn ich fürchte, daß das, was ich zu ſagen habe, Ew. Majeſtät etwas trocken und langweilig er⸗ ſcheinen möchte.

Reden Sie. Ich werde ſelber ermeſſen, wie weit ich Ihnen meine Geduld und Nachſicht bewilligen kann.

Ew. Majeſtät ſind ein edler, feuriger, gelehrter Herr. Ew. Majeſtät ſind außerdem jung und die Jugend hat immer den ſchönen und kühnen Willen, auch das Alte, Beſtehende zu verjüngen und die Welt einen Schritt vorwärts zu rücken. Ew. Majeſtät will das, kann das und muß das thun. Denn Gott hat Ihnen nicht allein die Macht, ſondern auch den Geiſt und die Kraft dazu verliehen. Ew. Majeſtät werden daher Vieles ändern, Vieles neugeſtalten wollen, die alte Zeit wird der neuen, glanzſtrahlenden weichen müſſen. Ich begriff das, als ich meinem jungen König zuerſt in's Auge ſchaute, in dieſes Auge, in welchem für Preußen eine große und glorreiche Zukunft ge⸗ ſchrieben ſteht. Ich begriff, daß wir alle, die wir dem

hochſeligen König gedient, vielleicht nicht würdig und nicht jung genug erſcheinen möchten, um die Umwand⸗ lungen und Veränderungen auszuführen, welche der Königliche Nachfolger Friedrich Wilhelms des Zweiten beſchließen möchte. Ich erwartete alſo meine Ent⸗ laſſung, aber ſie kam nicht. Ew. Majeſtät ent⸗ ſetzten mich nicht meines Amtes, und ich geſtehe Ew. Majeſtät, ich empfand eine lebhafte Freude dar⸗ über. Ich ſagte zu mir ſelbſt: Der König will alſo nicht umſtoßen, ſondern nur verbeſſern, nnd wenn er glaubt, das mit uns zu können, nun ſo wollen wir mit heiligem Eifer ihm dienen und ſeinen Willen voll⸗ führen. Ich kenne die geheime Maſchinerie des Staats⸗