ihm einen Stoß zu geben. Der König haßt ihn und wartet nur auf eine Gelegenheit, ihn zu entfernen. Sehen Sie denn nicht, wie er ihn abſichtlich vernach⸗ läſſigt, wie er ihn niemals zu bemerken ſcheint, nie⸗ mals das Wort an ihn richtet und niemals mit ihm Conferenzen hält, wie er es doch ſonſt ſo häufig mit den übrigen Miniſtern thut*)? Er hat ihn nicht ſo⸗ gleich aus dem Amte entfernt, weil der König, wie Sie wiſſen, eine große Pietät hegt für ſeinen verſtor⸗ benen Vater und weil er dieſem ein Dementi gegeben haben würde, wenn er den Finanzminiſter Boden, von dem man weiß, daß er des Hochſeligen vertrau⸗ teſter Rathgeber war, und daß der König kein Ge⸗ heimniß vor ihm hatte, ſogleich verabſchiedet hätte. Aber beſchloſſen iſt ſein Untergang, deſſen können Sie gewiß ſein. Der König, der ihn gar nicht zu beachten ſcheint, hängt doch mit ſeinem Blick über ihm, wie der Adler über dem Lamm, das er verſchlingen will; eine einzige unvorſichtige Bewegung und er packt es mit ſeinen mächtigen Fängen. Und das kann vielleicht heute noch geſchehen.
Heute noch? fragte Pöllnitz verwundert.
Fredersdorf nickte bejahend. Der König hat heute den Bauplan, welchen Knobelsdorf auf ſeine Anord⸗ nung für das neue Palais der Königin⸗Mutter ent⸗ worfen hat, genehmigt. Es ſoll ein coloſſales Wunder⸗ werk werden, wie die Welt vielleicht kein zweites aufzuweiſen hat, ein Capitol des Nordens, zu deſſen Bau indeſſen vier Millionen erforderlich ſein werden e). Nun, der König hat dieſe Millonen auf zwei verſchie⸗
*) Ebendaſelbſt pag. 6. **) Rödenbeck. Tagebuch aus Friedrich des Großen e Lentenleben. Erſte Abtheilung pag. 15—16.
—————
—.—
——


