— 54—
genannt das Berliner Zeughaus, in die Luft auf⸗ flattern ſehen?
Sie wiſſen auch dies? fragte Tottleben ſchmerzlich erſtaunt.
Ich ſagte Ihnen ja, daß die Oeſterreicher und Ruſſen treue Bundesgenoſſen ſind, und was Ihre Abſichten auf Deutſchland anbetrifft, keine Geheim⸗ niſſe vor einander haben. Oh, es wird eine luſtige Hochzeitsfackel für das Haus Oeſterreich ſein, wenn das Preußiſche Zeughaus in die Luft auffliegt! Wann werden wir dies Schauſpiel genießen, Excellenz?
General von Tottleben ſchwieg und ſenkte das Haupt ſeufzend auf ſeine Bruſt. Graf Lacy betrach⸗ tete ihn mit kaltem, ſtechendem Blick; Tottleben fühlte dieſen Blick und verſtand deſſen gewichtige Bedeu⸗ tung. Er wußte, daß ſeine ganze Zukunft, ſeine Freiheit, ja vielleicht ſogar ſein Leben an dieſem Mo⸗ mente hing. Er mußte ſich daher entſcheiden.
In drei Stunden wird dieſes Schauſpiel ſtatt⸗ finden, Excellenz, ſagte er mit einem erzwungenen Lachen. In drei Stunden ſollen die Hochzeitsfackeln brennen, und damit es recht luſtig zugehe, wird das Wehegeheul der Berliner die Muſik dazu machen.
In drei Stunden alſo, ſagte Graf Lacy, ſich tief verneigend. Ich eile, es meinen Offizieren zu melden. Sie glühen alle vor Verlangen, dies ſeltene Schau⸗ ſpiel zu ſehen.
Graf Lacy ging und General Tottleben war wie⸗ der allein. Lange ging er finnend und in ſich gekehrt


