Du ſiehſt mein Herz, o Gott, Du weißt, daß auf dem Grunde deſſelben nur die Liebe wohnt! Nur die Liebe zu meinem Kinde! Und mein Kind glaubt nicht an mich! Ich habe gearbeitet, ich bin reich geworden, habe Schätze geſammelt,— nur für ſie! An mein Kind dachte ich, wenn ich lange, öde Nächte in ſchwie⸗ rigen Berechnungen an meinem Pult ſaß! An meine Tochter erinnerte ich mich, wenn ich ganz ermattet, und faſt erdrückt war von der Laſt dieſer Arbeit! Sie ſollte glücklich, ſie ſollte reich und groß wie eine Fürſtin werden! Darum arbeitete ich! Es blieb mir keine Zeit mit ihr zu ſcherzen, weil ich für ſie arbeitete
wie ein Sclave! Und das, fuhr er mit einem ſchmerz⸗ vollen Lächeln fort, das macht ſie mir zum Vorwurf! Ich habe nichts, an das ich glaube, nichts als mein Kind! Und mein Kind glaubt nicht an mich! Die Welt beugt ſich vor mir, und ich bin der ärmſte und elendeſte Bettler!
Ueberwältigt von dieſen bitteren Schmerzen, welche jetzt auf ſeine Bruſt einſtürmten, ſenkte er ſein Haupt in ſeine Hand und weinte bitterlich.
Dann nach einer langen Pauſe richtete er ſich wieder hoch empor, und ſchüttelte mit entſchloſſenem Ausdruck die Thränen aus ſeinen Augen fort.
Genug jetzt, genug! ſagte er laut und feſt, meine Pflicht ſoll mich aus dieſen Qualen befreien, ich muß für ſie ſorgen!
Er zog die Klingel und befahl den eintretenden
Dienerinnen die Ohnmächtige aufzurichten, und in
ihr Zimmer zu tragen. 4


