Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
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Eliſe, rief Gotzkowsky, mein Kind, Du weißt alſo nicht, daß ich Dich grenzenlos⸗ liebe?

Aber ſie ſah nicht die zärtlichen faſt flehenden Blicke, welche ihr Vater auf ſie richtete, ihr Auge war inwärts gekehrt, und nur ihrer eigenen qualzer⸗ riſſenen Seele war ſie ſich bewußt.

Ja, ſagte ſie, Du liebteſt⸗mich, ſo wie man ein Kleinod liebt, das man in Gold faßt, um es noch glänzender zu machen! Du liebteſt mich, wie einen koſtbaren Aufputz Deiner Zimmer, wie ein Ding, das 4 Dir Gelegenheit bot, Dich immer im Glanz Deiner Großmuth zu zeigen, und das Füllhorn Deines be⸗ rühmten Reichthums auszuſchütten! Aber Du liebteſt mich nicht wie ein Vater, Du ſahſt nicht, ob ich heimlich geweint hatte, oden⸗ wenn Du's ſahſt, gabſt Du mir Brillanten, um mich zu tröſten, koſtbare Kleider, um mich lächeln zu machen, aber kein Vater⸗ herz! Da endlich findet des reichen Mannes Kind ein Glück, das Gold und Sch ihr nicht zu bieten ver⸗ mögen, das ihres Vaters 9 Killionen ihr nicht kaufen können, dies Glück, es iſt die Liebe! Das einzige Eigenthum, Vater, was wider Deinen Willen mein geweſen, das haſt Du mir grauſam entriſſen, weil es wider Deinen Willen mein war! Jetzt Du reicher armer Mann, nimm all Dein Gold, und ſuche und kaufe Dir dafür ein Kind! Mich haſt Du verloren!

Und mit einem leiſen Aechzen zurücktaumelnd, ſchloß ſie ihre Augen, und ſank ohnmächtig auf den Teppich nieder.

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