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an Freuden! Du nahmſt mir die Fähigkeit, Wünſche zu haben, denn Alles, noch ehe ich es begehren konnte, war mein. Ich brauchte nur die Hand auszuſtrecken, und es gehörte mir! Freudlos und einſam ſtand ich unter Deinen Reichthümern, und Alles, was ich be⸗ rührte, verwandelte ſich mir in hartes Gold! Des reichſten Mannes Kind beneidete die Bettlerin auf der Straße, für die es doch noch Wünſche, noch Hoff⸗ nungen, noch Entbehrungen gab!
Gotzkowsky hatte ihr zugehört, ohne ſie mit einem Wort, einem Seufzer zu unterbrechen. Nur zuweilen war er ſich mit der Hand nach der Stirn gefahren, hatte er einen irrenden, zweifelnden Blick auf ſeine Tochter geworfen, als wolle er ſich überzeugen, daß dies Alles kein bethökender, wahnſinniger Traum, ſondern ſchmerzvolle, grauſame Wirklichkeit ſei!
Als Eliſe jetzt hochathmend und zitternd vor Er⸗ regung einen Augenblick inne hielt, und er nicht mehr den ſchneidenden, gewaltſam auf ihn eindringenden Ton ihrer Stimme vernahm, preßte er beide Hände an ſeine Bruſt, als wolle er den Schmerzensſchrei eines ganzen, vernichteten Lebens zurück drängen!
Oh mein Gott, murmelte er leiſe, das iſt ein Wehe⸗ gefühl ohne Gleichen! Das trifft in's Menſchen⸗ und Vaterherz!
Eliſe fuhr nach einer Pauſe fort: Ich war auch
eine Bettlerin, und ich ſchmachtete nach dem Brod Deiner Liebe!


