Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

190

tritt er es in den Staub, unbekümmert, daß es ſein einziges Kind iſt!

Eliſe, rief Gotzkowsky entſetzt, Eliſe, biſt Du wahnſinnig? Weißt Du, daß Du zu Deinem Vater 8 ſprichſt?

Aber ihr zerquältes Herz vernahm dieſe Mahnung nicht, und ſich nur erinnernd, daß ihr Geliebter viel⸗ leicht in dieſer Stunde durch ihres Vaters Schuld. den Tod erleide, ließ ſie ſich unaufhaltſam fortreißen von der heftigen Gewalt ihres Schmerzes. Sie be⸗ 4 gegnete dem flammenden Auge ihres Vaters mit 4 einem verachtenden Lächeln, und ſagte kalt: Oh ſieh 4 mich nur an! Ich fürchte Deine zornigen Blicke nicht! Ich bin frei, Du ſelbſt haſt mich erlöſt von dieſer 4 Furcht vor Dir! Du nahmſt mir den Geliebten, und 1 damit nahmſt Du Dir Dein eigen Kind!

Oh mein Gott, ſagte Gotzkowsky leiſe, mein Gott, habe ich dies verdient?

Und er richtete ſeine Augen mit einem rührenden Schmerzensausdruck auf ſeine Tochter hin. 4

Aber ſie war unerbittlich, der Kummer hatte ſie 4 raſend und grauſam gemacht. Oh, ſagte ſie triumphi⸗ 4* rend, jetzt will ich Dir Alles ſagen! Du ſollſt wiſſen, 4 was ich gelitten, wie ich gedarbt habe! 3

Eliſe, rief er ſchmerzvoll, gab ich Dir nicht Alles, was Dein Herz begehrte?

Ja, ſagte ſie mit einem grauſamen Lachen, Du gabſt mir Alles, Du erfüllteſt jeden meiner Wünſche, und damit machteſt Du mich arm an Wünſchen, arm

A