Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 15⁰0—

zitternden Bangen erinnerte ſie ſich, daß er ſie ge⸗ beten, ihn zu erwarten, daß er geſchworen zu ihr zu kommen, und ginge der Weg zu ihr auch über Lei⸗ chen und durch Ströme von Blut!

Mit dem ganzen Stolz eines liebenden Mädchens rief ſie ſich ſeine zugleich ſo leidenſchaftlichen und küh⸗ nen Worte zurück, und es that ihrem Herzen wohl, ſich die Braut eines Helden nennen zu dürfen.

Mochte dieſer Held immerhin der Feind des Va⸗ terlandes ſein, was kümmerte es ſie. Sie liebte ihn, und was fragte ſie nach der Nationalität und den Zwiſtigkeiten der Fürſten.

Sie war ſein; ſein in Liebe, Treue, Reinheit und Unſchuld, was kümmerte ſie alles Andere! Plötzlich ſchrechte Eliſe empor aus ihren Phanta⸗ ſieen. Sie hatte da unten im Garten ein leiſes Ge⸗ räuſch gehört, und lehnte ſich lauſcheud über den Bal⸗ con. Was bedeutete dieſes Geräuſch? War es viel⸗ leicht ein Dieb, welcher die allgemeine Verwirrung benutzend, ſich durch den Garten einſchleichen wollte? Eliſe blieb unbeweglich ſtehen, und horchte. Sie hatte ſich nicht getäuſcht, ſie vernahm ganz deutlich heran⸗ nahende Schritte.

Ein Gefühl von Furcht bemächtigte ſich ihrer, und doch wagte ſie es nicht, ſich von der Stelle zu bewegen, oder um Hülfe zu rufen. Konnte es nicht ihr Geliebter ſein, welchem ſie gelobt, ihn zu er⸗ warten?

Mit angeſtrengter Aufmerkſamkeit blickte ſie hin⸗