Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
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muth, und dann, ganz überwältigt von ſeinem Anblick, näherte ſie es ihren Lippen.

Feodor! flüſterte ſie ſo leiſe, daß es faſt nur wie ein Seufzer klang, und die Hand, mit welcher ſie das Medaillon hielt, ausſtreckend, um das Bild beſſer be⸗ trachten zu können, fuhr ſie fort: Feodor! Warum haben wir uns gefunden, wenn es doch nur war, um uns auf ewig zu verlieren! Warum ließ mich das Schickſal nicht als arme Leibeigene auf einem Deiner Güter geboren werden, und gab Dir ein Recht auf meinen Beſitz, indem es mir die ſüße Pflicht aufer⸗ legte, Dich zu lieben? Oh mein Gott, warum biſt Du ein Feind meines Vaterlandes, oder warum bin ich eine Deutſche! Die Menſchen nennen mich glück⸗ lich, ſie beneiden mich um meines Vaters Reichthum, ſie wiſſen nicht, wie arm ich bin, und wie troſtlos und allein!

Sie neigte ihr Haupt auf ihre Bruſt und weinte bitterlich. Plötzlich vernahm man ganz nah vor ihrer

Thür Schritte. Sie ſchreckte zuſammen und verbarg

ſchnell das Medaillon wieder in ihrem Buſen. Mein Vater! flüſterte ſie, indem ſie ſchnell ihre Thränen trocknete, und aufſtand, um die Thür zu öffnen. Sie hatte ſich nicht geirrt, es war ihr Vater.

Er reichte ihr die Hand dar, welche ſie ehrfurchts⸗ voll an ihre Lippen drückte, aber ſie ſah nicht dieſen zärtlichen, faſt ſehnſüchtigen Blick, mit dem er ſie be⸗ trachtete, denn ſie hatte die Augen niedergeſchlagen, nicht, ihn anzuſehen.