Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
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lichem Geplauder die ernſten und trüben Gedanken aus ſeiner Seele zu verſcheuchen? Ohne Zweilfel war ſie es, welche ſein irrender Blick in dieſem großen, ſchwei⸗ genden Zimmer ſuchte, und er ſeufzte, weil er ſie nicht fand, weil er ſich vergeblich nach ihrem holden Lä⸗ cheln, ihren roſigen Wangen ſehnte! Wo war ſie denn?

Gotzkowsky's Tochter ſaß einſam, wie er, in ihrem Zimmer und blickte gedankenvoll, wie ihr Vater, in die leere Luft. Wie ſeltſam contraſtirte dieſer trübe, ſchwermüthige Ausdruck ihres kaum von einem ſchwa⸗ chen Roth angehauchten Geſichtes zu dem feſtlichen Anzug, wie traurig war ihr Blick im Contraſt zu die⸗ ſem vollen Roſonkrang, d der ihr Haar zierte!

Eliſa war die Tochter des reichſten Mannes von Berlin, und dennoch war ſie traurig, die ganze Welt nannte ſie das ſchönſte Mädchen und dennoch ſaß ſie einſam in ihrem glänzenden Gemach, und ihre Augen waren umdüſtert von Thränen!

Auf einmal zog ſie aus ihrem Buſen eine goldene Kapſel hervor, und drückte dieſe feſt und innig an ihre Lippen. Dann warf ſie einen ſcheuen Blick nach der Thür und ſchien zu horchen. Als ſie ſich überzeugt hatte, daß Niemand nahe, drückte ſie an einer verbor⸗ genen Feder des Medaillons; der goldene Deckel ſprang auf, und man ſah jetzt das Bild eines ſchönen Man⸗ nes in ruſſiſcher Uniform.

Das junge Mädchen betrachtete dieſes Bild mit einem ſeltſamen Gemiſch von Entzücken und Schwer