Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 1. Band (1858)
Entstehung
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Johann Gotzkowsky war noch immer ein ſchöner Mann, trot ſeiner fünfzig Jahre; ſein edles, geiſtdurch⸗ ſtrahltes Antlitz, ſeine hohe, ſtolze Geſtalt, ſein volles ſchwarzes Haar, das er, der Sitte jener Zeit zum Trotz, ungepudert trug, ſeine ganze Erſcheinung machte zugleich einen imponirenden und einen wohlthuenden Eindruck.

Auch lag es ohne Zweifel nicht an Gotzkowsky's Perſönlichkeit, daß er trotz des frühen Todes ſeiner Gattin ſich nicht zu einer zweiten Ehe hatte entſchlie⸗ ßen mögen, ſondern es vorgezogen hatte, ein einſamer Witwer zu bleiben. Es war dies weder aus Gleich⸗ gültigkeit, noch aus Herzenskälte geſchehen, ſondern nur aus Liebe; aus Liebe zu dieſem kleinen, hülfloſen, liebedürftigen Weſen, deſſen Geburt ſeinem jungen Weibe das Leben gekoſtet, aus Liebe zu dieſem klei⸗ nen Mädchen, der er am Bette der geſtorbenen Mut⸗ ter geſchworen, ihr die Mutter zu erſetzen, und ſie niemals unter das harte Joch einer Stiefmutter zu beugen.

Gotzkowsky hatte ſeinen Schwur getreulich erfüllt, er hatte alle ſeine Liebe concentrirt auf ſeine Tochter, welche unter ſeinen ſorgſam behütenden Blicken ſich immer kraftvoller, immer ſchöner entwickelt hatte, und die Gotzkowsky jetzt mit ſtolzer Vaterfreude das ſchönſte Kleinod ſeines Hauſes nannte.

Wo war ſie denn dieſe Tochter, welche er ſo ſehr liebte? Weshalb war ſie nicht neben ihm, um die Falte von ſeiner Stirn wegzulächeln, um mit zärt⸗