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und der König hatte Mitleid, Mitleid mit dieſer zerſtörten Freundſchaft, die jetzt in wüſten Trümmern zu ſeinen Füßen lag, und für welche er noch die Pietät empfand, welche man für das Grab eines Ver⸗ ſtorbenen hat.
Er ſandte Voltaire mit einem freundlichen Schrei⸗ ben die„bagatelles“ zurück, und lud ihn ein, ihn nach Potsdam zu begleiten.
Voltaire nahm es an, und die Zeitungen verkün⸗ digten, daß der berühmte franzöſiſche Dichter von dem König ſeine Orden und Titel und ſeine Penſion wie⸗ der erhalten und ſich mit dem König nach Potsdam begeben habe.
Aber dieſer anſcheinende Frieden war nur von kurzer Dauer. Die Freundſchaft war geſtorben, und gegenſeitige Erbitterung war an die Stelle der Liebe und Hochachtung getreten.
Voltaire fühlte endlich die Unmöglichkeit, länger zu bleiben, und gedrängt von den kalten und eiſigen Blicken, von dem ironiſchen, faſt verächtlichen Lächeln des Königs bat er endlich um ſeine Entlaſſung, welche ihm der König dies Mal nicht verweigerte.—
Eines Tages, als der König, umgeben von ſeinen Generalen, auf dem Paradeplatz ſtand, meldete man ihm, daß Herr von Voltaire um die Erlaubniß bitte, ſich beurlauben zu dürfen. 1
Der König wandte ſich mit ruhigem Antlitz zu ihm um. Ah, Herr von Voltaire, ſagte, er, Sie wol⸗ len alſo durchaus abreiſen?
Sire, unaufſchiebbare Geſchäfte und beſonders meine Geſundheit zwingen mich dazu, ſagte Voltaire laut ge⸗ nug, um von Jedermann vernommen zu werden. Der König neigte ſein Haupt zu einem leichten
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