Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

237

Packet, das er verſiegelte und auf das er als Auf⸗ ſchrift folgende Verſe ſchrieb:

Je les reçus avec tendresse,

Je Vous les rends avec douleur,

C'est ainsi qu'un amant dans son extréme fureur, Rend le portrait de sa maitresse.

Dann rief er ſeinen Kammerdiener und befahl ihm, dies Packet ſofort hinüber zu tragen zum König. Nicht das mindeſte Zandern war in ihm, nicht das leiſeſte Bedauern über dieſe große Penſion, welche er eben aufgab. Er fühlte, daß er das müßte, daß ſeine Ehre, ſein Stolz das verlangte. In dieſem Augen⸗ blick war ſein Antlitz leuchtend und ſchön, in dieſem Augenblick war er der ſtolze, ſelbſtbewußte, freie Dich⸗ ter, der Genius hatte den Menſchen in ihm beſiegt und leuchtete ſtrahlend von ſeiner Stirn.

Aber der ſchöne Moment ging vorüber, und der kleine, berechnende, geizige Menſch trat wieder in ſeine Rechte ein.

Voltaire erinnerte ſich wieder, daß er nicht bloß Orden und Ehrentitel, ſondern auch Geld aufgegeben hatte, und ein wüthender Schmerz, eine maßloſe Angſt überkam ihn..

Er eilte zu ſeinem Schreibtiſch hin, und mit zit⸗ ternder Haſt ſchrieb er an den König einen flehenden Brief, in welchem er um Gnade und Erbarmen bat, um Mitleid mit ſeiner unglücklichen Lage und ſeinem

tiefen Schmerz.*)

*) Preuß. Friedrich der Große. Vol. I. S. 248.