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ſterblichkeit geboren iſt, kann kein Holzſcheit verbren⸗ nen!*)
Das war Voltaire, welcher ſo ſprach. Dann warf er das Fenſter klirrend zu und trat in das Gemach zurück. †
Leben Sie wohl, Herr von Francheville, ſagte er ruhig, ich danke Ihnen, daß Sie mir erlaubt, meiner Hinrichtung beizuwohnen. Sie ſehen, ich habe es gut überſtanden, denn nicht Jeder ſtirbt, den man ver⸗ brennt. Leben Sie wohl! Ich muß auf's Schloß, denn ich habe da ein wichtiges Geſchäft.
Mit iugendlicher Lebendigkeit eilte er von dannen und hinunter zu ſeinem Wagen.
Das Volk, welches ihn erkannte, jauchzte ihm mit freudigen Zurufen entgegen, und im Triumph fuhr Voltaire durch die Menge, welche ihn mit freudiger ₰ Theilnahme grüßte, während der Henker die letzten Ballen des Akakia in die Flammen ſchleuderte.
Aber in ſeinen Gemächern im königlichen Schloſſe angelangt, verſchwand das Lächeln aus ſeinen Zügen und ſie zeigten jetzt all' die Wuth und den Zorn, welche ſein Inneres bewegten.
Mit haſtiger Hand nahm er aus ſeinem Porte⸗ feuille das vom König unterzeichnete Penſionspatent hervor; dann riß er das blaue Band mit dem großen Ordensſterne von ſeinem Halſe und ſchnitt mit raſchem Griff den kleinen goldenen Schlüſſel von ſeinem Hof⸗ gewand ab, das der Kammerdiener da zu ſeiner Toilette bereit gelegt hatte. Aus dieſen drei Dingen machte er ſodann ein
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*) Thiébault. Vol. V. p. 265.


