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Voltaire hatte alſo ſein ſchriftliches und mündliches Verſprechen, er hatte ſein Ehrenwort gebrochen, und der König, auf's Aeußerſte gebracht durch dieſes ehr⸗ loſe Betragen, hatte in ſeinem Zorn beſchloſſen, daſ⸗ ſelbe öffentlich zu ſtrafen.
Und jetzt wirbelten die Trommeln, und dann un⸗ ter dem athemloſen Schweigen der Menge las ein Beamter des Königs das Urtheil vor, das Urtheil, welches die boshafte, verleumderiſche Schrift, durch welche der edle, tugendhafte und berühmte Gelehrte Maupertuis dem allgemeinen Geſpött hätte Preis ge⸗ geben werden ſollen, welches den Akakia zum Feuer⸗ tode verurtheilte.
Voltaire ſtand immer noch ruhig und lächelnd an dem geöffneten Fenſter, er ſah, wie der Henker dieſe Ballen gedruckten Papiers in das Feuer warf, er ſah, wie die Flammen hoch emporwirbelten zum Himmel, und ſein Antlitz blieb hell und ſeine Augen verloren nichts von ihrem glühenden Feuer.
Immer dichter ſchlugen die Rauchſäulen empor, immer mächtiger ſchlugen die Flammen zum Him⸗ mel auf.
Die Menſchen ſchauten ſchweigend dieſer ſeltſamen Hinrichtung zu, und das Lachen und Plaudern war verſtummt. Da hörte man plötzlich ein lautes, eoktendes Gelächter, und eine mächtige Stimme rief:
Seht da den Geiſt Maupertuis, welcher ganz und gar in Rauch aufgeht! Ah, welch' ein dicker und
ſchwarzer Rauch! Wie viel verſchwendetes Holz!
Der Akakia iſt unſterblich! Ihr verbrennt ihn hier, aber er bleibt doch lebendig, und die ganze Welt wird ihn kennen lernen! Denn was für die Un⸗
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