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ſteller und Gelehrten geziemt, der die Ehre hat,
Kammerherr des Königs von Preußen zu ſein und mit anſtändigen Leuten umzugehen.“*)
Wollen Sie das unterſchreiben? fragte der König faſt traurig..
Ich will das nicht bloß unterſchreiben, ſagte Vol⸗ taire lächelnd, ſondern ich will aus eigenem Willen noch etwas hinzufügen. Hören Euere Majeſtät nur!
Und indem er mit haſtiger Hand weiter ſchrieb, ſagte er laut:
„Ich werde genau die Befehle Euerer Majeſtät befolgen, und das zu thun macht mir keine Mühe. Ich beſchwöre Euere Majeſtät zu glauben, daß ich niemals gegen irgend eine Regierung geſchrieben habe, am allerwenigſten gegen diejenige, unter der ich gebo⸗ ren bin, und welche ich nur verlaſſen habe, um zu den Füßen Euerer Majeſtät mein Leben zu beſchlie⸗ ßen. Ich bin Hiſtoriograph Frankreichs geweſen, und in dieſer Eigenſchaft habe ich die Geſchichte Ludwig's des Vierzehnten und die der Feldzüge Ludwig's des Funfzehnten geſchrieben. Meine Stimme wie meine Feder ſind immer dem Vaterland geweiht geweſen, wie ſie es jetzt Ihren Befehlen ſind. Ich beſchwöre Sie, die Güte zu haben, meine literariſchen Streitig⸗ keiten mit Maupertuis zu unterſuchen, und zu glau⸗ ben, daß ich dieſe ganze Angelegenheit aufgeben will, um Ihnen, Sire, zu gefallen, und weil ich mich in allen Dingen Ihrem Willen unterwerfe. Ich werde auch darin Euerer Maieſtät gehorchen, daß ich mich in keinen literariſchen Streit einlaſſe, und ich beſchwöre
*) Preuß, Friedrich der Große. Th. I. S. 247.


