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Enere Majeſtät zu glauben, daß, wenn ich ſterbe, ich für Sie dieſelbe Anhänglichkeit und Verehrung fühlen werde, wie an dem Tage, als ich zuerſt an Ihren Hof kam.*)
Voltaire.“
Der König nahm das Papier, welches Voltaire ihm darreichte, und überflog es mit den Augen; dann ließ er ſeine Blicke lange und prüfend auf Vol⸗ taire's lächelndem und lauerndem Antlitz verweilen.
Es iſt gut, ich danke Ihnen, ſagte er dann, Vol⸗ taire freundlich den Abſchiedsgruß zunickend; als die⸗ ſer aber hinausgegangen war, blickte der König lange und gedankenvoll vor ſich nieder. 1
Ich traue ihm nicht, ſagte er ſinnend. Er war zu bereitwillig, das Manuſcript zu verbrennen und jedem Streit zu entſagen. Und doch— er hat mir ja ſein Ehrenwort gegeben!
Voltaire indeß war auf ſein Zimmer gegangen, und wie er jetzt allein und unbeobachtet war, drückte ſein Geſicht eine hämiſche, boshafte Freude aus.
Ah, ich hatte alſo richtig berechnet, ſagte er mit ſeinem unheimlichen Grinſen. Der König wollte mir da eine Paroli biegen und mich zu Gunſten Mauper⸗ tuis verlieren laſſen. Ah, ich denke, dies war ein Meiſterſtreich von mir! Das Original⸗Manuſcript zu verbrennen, während ſchon vor acht Tagen eine Abſchrift deſſelben nach Leyden gewandert iſt. Wäh⸗ rend der König denkt, daß ich ein ſo gutmüthiger Narr bin, jeden Kampf mit dieſem bettelſtolzen Maupertuis
*) Preuß, Friedrich der Große. Th. I. S. 248.


