Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Ich fordere dieſes Opfer von Ihnen als einen Be⸗ weis Ihrer Freundſchaft und Ihrer Selbſtüberwindung, ſagte der König ernſt. Ich bin dieſer ewigen Zänke⸗ reien und Anfeindungen müde. Ich will endlich Frie⸗ den im Innern meines Hauſes haben, da ich nicht weiß, wie lange ich denſelben noch in der Welt haben werde. Es ſcheint mir, daß ſich da am Horizonte der Politik ſchwere Wolken aufzuthürmen beginnen. Laſſen Sie uns dafür ſorgen, daß wenigſtens unſer literari⸗ ſcher Horizont rein und fleckenlos bleibe.

Ach, Sire, wenn Sie mich mit Ihren großen und wundervollen Augen anſehen, rief Voltaire, dann wäre ich gleich bereit, mein Herz aus meiner Bruſt zu rei⸗ ßen, um es für Sie in das Feuer zu werfen, und dieſe kleine Stachelſchrift iſt noch lange nicht mein Herz, weshalb ſollte ich ſie alſo nicht einem Wunſche meines Salomon opfern?

Sie wollen mir den Akakia opfern? fragte der König freudig.

Sire, ſehen Sie hier. Das iſt mein Manuſcript. Nicht wahr, Sie erkennen meine Handſchrift? Sie ſehen, daß die Dinte kaum getrocknet und das Werk eben erſt vollendet iſt? Nun wohl, ſehen Sie da, was ich aus dem Akalia mache.,

Er nahm das Mannſcript, und ſchleuderte es in die Flammen des Kamins, vor dem ſie Beide eben geſeſſen.

Ach, was thun Sie, Freund, rief der König ent⸗ ſetzt, und der Flammen nicht achtend, ſtreckte er die Hand aus, um das Manuſcript wieder aus dem Feuer zurückzuziehen.

Aber Voltaire griff lachend nach der Feuerzange und ſtieß das Papier tiefer in die Gluthen.

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