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Voltaire lauerte nur auf eine Gelegenheit, dieſen gefährlichſten ſeiner Feinde anzugreifen, und dieſe Ge⸗ legenheit zeigte ſich bald.
Maupertuis hatte ſeine Lettres Philosophiques drucken laſſen, in denen es freilich wimmelte von Stellen, welche Voltaire's Behauptung, daß Mauper⸗ tuis früher wahnſinnig geweſen wäre, und mehrere Jahre zu Montpellier im Irrenhauſe geſeſſen hätte, zu beſtätigen ſchienen.
Maupertuis ſchlug in dieſen Briefen vor,„man ſolle eine lateiniſche Stadt bauen, um dieſe ſchöne Sprache wieder neu zu beleben, man ſolle ein Loch bis an den Mittelpunkt der Erde graben, um ihre innere Beſchaffenheit zu ermitteln, und man ſolle fer⸗ ner nach der Meerenge Magelhaen gehen und dort das Gehirn von Patagoniern öffnen, um die Natur der Seele kennen zu lernen.“
Gegen dieſe fabelhaften Vorſchläge des Maupertuis antwortete Voltaire, als Doktor„Akakia“, welcher den unglücklichen Maupertuis heilen wollte, in einer Schrift, welche, ganz mit Voltaire's ſcharfem, ſchlag⸗ fertigem Witz und ſeiner beißenden, glänzenden Ironie geſchrieben, ſehr wohl im Stande war, Maupertuis vor aller Welt lächerlich zu machen. Der König, dem Voltaire ſein Manuſcript mitgetheilt, fühlte das ſehr wohl, und obwohl er die Vorleſung des Akakia mit dem lebhaſteſten Vergnügen angehört, und oft genug Voltaire mit ſeinem Lachen und ſeinen Beifallsrufen unterbrochen hatte, forderte er doch, daß Voltaire die⸗ ſes Manuſcript vernichte, weil er nicht wollte, daß der Mann, der an der Spitze ſeiner Akademie ſtände, und den der König ſelber einſt„die Leuchte der Wiſſen⸗ ſchaft“ genannt, jetzt dem Gelächter und Geſpött der ganzen Welt Preis gegeben werde. 3


