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des armen Marquis verſöhnten ihn endlich; er verzieh nicht allein, ſondern er erlaubte ſogar, daß die Mar⸗ quiſe mit ihrem Gemahl in Sansſouci wohnen durfte.
Da Voltaire alſo dem Marquis d'Argens die Gunſt des Königs nicht hatte entziehen können, wollte er ihm wenigſtens einigen Kummer verurſachen und ihn in ſeinen Herzensneigungen kränken. Er wußte, daß der Marquis ein glühender Verehrer des franzöſiſchen Dich⸗ ters Jean Baptiſte Rouſſeau ſei.
Eines Tages alſo begab ſich Voltaire zum Mar⸗ quis d'Argens, und ſagte mit trauriger und zärtlicher Miene, daß er es für ſeine Schuldigkeit halte, ihn über dieſen elenden Jean Baptiſte Rouſſeau aufzuklären, und ihm zu beweiſen, daß derſelbe ſeine Verehrung und Liebe mit dem ſchwärzeſten Undank belohne. Er habe ſo eben von ſeinem Correſpondenten aus Paris ein Epigramm erhalten, das Rouſſeau gegen den Mar⸗ quis gemacht. Daſſelbe ſei freilich noch wenig und nur in Abſchriften bekannt, und Rouſſeau laſſe Jeden, dem er ees zeige, ſchwören, daß er nichts verrathen wolle, aber er zeige es doch, und beabſichtige auch, es drucken zu laſſen. Er, Voltaire, habe indeß ſeinem Correſpondenten den Auftrag gegeben, Alles anzuwen⸗ den, daß dieſes abſcheuliche Epigramm nicht gedruckt werde, oder, wenn das geſchähe, alle Mittel in Bewe⸗ gung zu ſetzen, daß das Publikum ebenſo empört über dieſes ſchändliche Betragen Rouſſeau's ſein müßte, wie alle Freunde des Marquis.
Allerdings, dieſes Epigramm, welches Voltaire dann dem Marquis vorlas, und welches den Marquis als den juik errant bezeichnete, war ebenſo boshaft als heimtückiſch und verläumderiſch, und der gute Mar⸗ quis empfand darüber anfangs einen wahren und tie⸗ Mühlbach, Berlin u. Sansſouci ꝛc. IV. 15


