Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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eme Nothwendigkeit, der er nicht entſagen mochte oder wollte.

Nachdem er d'Arnaud durch ſeine Intriguen zu beſeitigen gewußt hatte, daß dieſer Berlin verlaſſen mußte, wandte ſein Zorn ſich gegen die übrige Umge⸗ bung und Freunde des Königs. Den Einen derſelben

entriß der Tod ſeinen Angriffen. Das war La Mettrie,

welcher, in Folge des übermäßigen Genuſſes einer Trüffelpaſtete im Hauſe des franzöſiſchen Geſandten, Lord Tirconnel, an einem Aderlaß ſtarb, den er ſich wider das Anrathen des Arztes ſelbſt verordnete, in⸗ dem er ſagte, ich will meine Indigeſtionen an das Aderlaſſen gewöhnen. Indeß ſtarb er an dieſem erſten Verſuch; treu ſeinem ganzen Leben und ſeinen Grund⸗ ſätzen war ſein Tod. Den Prieſter, welcher ungerufen herbei gekommen war, und ihn zur Verſöhnung mit Gott ermahnen wollte, wehrte er heftig fort. Bald darauf aber rief er unter den Martern ſeiner Schmer⸗ zen: Oh, mein Gott! Oh, Jeſus Maria! Oh, er bereut, ſchrie der erfreute Prieſter. Er ruft zu Gott und zu ſeinem eingebornen Sohn! Nein, nein, mein Vater, ſtammelte La Mettrie mit ſterbender Lippe, das iſt nur eine Redensart!*)

Voltaire's Neid und Eiferſucht wandte ſich nun zuerſt gegen den Marquis d'Argens, der freilich zu den theuer⸗ ſten Freunden des Königs gehörte. Anfangs ver⸗ ſuchte er, den König ſelber gegen ihn einzunehmen, und verrieth demſelben, daß der Marquis ſich heimlich mit der Schauſpielerin Barbe Cochois verheirathet habe. Der König war in der That anfangs ſehr erzürnt, aber die Bitten Algarotti's und der Schmerz

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*) Nicolai: Heft I. S. 20.