Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

223

das mindeſte Bedauern aufgeben würde, wenn ich nicht einzig und allein an die Perſon eines großen Mannes, der mein Glück ausmacht, gefeſſelt wäre.*)

Aber dieſer Himmel des Glückes, den Voltaire ſo herrlich pries, war doch nicht ganz wolkenlos geblie⸗ ben, und es hatte einiger Stürme bedurft, um ihn wieder zu klären.

Der König war ſehr erzürnt geweſen über Voltaire und hatte ihm das in einem ſehr heftigen und aufge⸗ regten Briefe aus Potsdam geſagt:

Ich habe den Frieden in meinem Hauſe bis zu Ihrer Ankunft zu erhalten gewußt, ſchreibt er an Vol⸗ taire,und ich muß Ihnen geſtehen, daß, wenn Sie die Paſſion haben zu intriguiren und zu kabaliren, Sie bei mir ſchlecht angekommen ſind. Ich liebe die ſanf⸗ ten und friedlichen Leute, welche in ihr Betragen nicht die heftigen Leidenſchaften der Tragödie miſchen. Im Fall Sie ſich entſchließen können, als Philoſoph zu leben, werde ich mich freuen, Sie zu ſehen; aber wenn Sie ſich immer wieder der Wuth Ihrer Leidenſchaften überlaſſen und mit allen Menſchen anbinden wollen, thun Sie beſſer, in Berlin zu bleiben, denn Ihre Hier⸗ herkunft nach Potsdam würde dann kein Vergnügen für mich ſein.**)

Erſt nachdem Voltaire feierlich gelobt hatte, ſich zu beſſern und Frieden zu halten, durſte er nach Potsdam zurückkehren.

Aber dasFrieden halten war eine Sache, welche weder in den Charakter noch in den Plan Voltaire's paßte. Das Intriguiren und Cabaliren war für ihn

») Voltaire: Oeuvres. Vol. 58. p. 422. **) Oeuvres posthumes. Supplémens II. p. 383.