Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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mit ſtrahlendem, lächelndem Antlitz zu ihr hin. Dann nahm er ihre beiden Hände und neigte ſeine Lippen auf dieſelben nieder, und küßte ſie mit einem langen, heißen Kuß, der Barberina erſchauern und ihr Herz ſtill ſtehen machte vor ſchmerzlichem Entzücken.

Barberina, ſagte er mit ſeiner ſchönen, klangvollen Stimme, Barberina, ich danke Ihnen! Gott und der König haben Sie gehört. Sie ſagen, daß Sie die Prieſterin der Religion der Erinnerungen ſind. Nun wohl denn, ich bin auch ihr Prieſter, und ich ſage Ihnen, daß auch ich manche Nacht vor ihrem Altar mein Herz gegeißelt habe. Das Leben verlangt ſchwere Opfer, und von den Königen mehr, als von an⸗ dern Menſchen. Ich habe eines Tages meinem Königthum ein ſo großes Opfer gebracht, daß mir ſchien, es könne nach dieſem mir nichts mehr ſchwer werden zu überwinden. Die Thoren und die Gedan⸗ kenloſen ſagen, daß das Leben ein Vergnügen iſt. Ich aber, Barberina, ich ſage: Das Leben iſt eine Pflicht! Gehen wir hin, und erfüllen wir ſie.

Ja, gehen wir hin, und erfüllen wir ſie! rief Bar⸗ berina mit ſtrahlenden Augen. Sire, ich will gehen, ſie zu erfüllen. Aber ſchwach, wie ich bin, bitte ich Sie noch um Eins! Es giebt keinen Lethetrank mehr, aus dem man ſich Vergeſſenheit trinken könnte, und doch muß ich vergeſſen, und einen Schleier werfen über meine ganze Vergangenheit. Helfen Sie mir, Sire! Ich muß fort aus Berlin. Verbannen Sie meinen Gemahl in irgend eine kleine Stadt; ſie wird für mich ein offenes Grab ſein, aber ich werde mich bemühen, dieſes Grab mit Blumen zu bepflanzen, de⸗ ren Duſt meinen Gemahl erfreuen ſoll. 2.

Ihr Wille ſoll geſchehen, ſagte der König traurig.