Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Ich heiße ſo, Sire, ſagte ſie ſanft, aber man will dieſe Ehe für ungültig erklären, und kraft der Geſetze ſie auflöſen.

Und deshalb kommen Sie zu mir, rief der König. Sie fürchten für Ihren ſchönen Titel. 7

Ah, Sire, ſagte Barberina ſtolz, Sie denken nicht ſo klein von mir, daß Sie meinen, ein elender Titel könne mich reizen.

Sie haben alſo Herrn von Cocceji aus reiner un⸗ eigennütziger Liebe geheirathet? fragte der König iro⸗

niſch.

Sie fah ihm feſt und groß in's Angeſicht. Nein, Sire, ich habe ihn nicht aus Liebe geheirathet.

Und weshalb alsdann?

Um mich zu retten, Sire, ja, um mich zu retten, weil ich das Vergeſſen nicht lernen konnte. Ah, Euere Majeſtät ſagten vorher, daß Sie die Religion der Er⸗ innerung hätten, ich aber, Sire, ich bin die ſchmerz⸗ zerriſſene, gepeinigte, fanatiſche Prieſterin dieſer Religion geweſen, ich habe täglich vor ihrem Altar gelegen, und mein Herz gegeißelt in Andacht und Pein, und meine Augen matt geweint. Endlich eines Tages raffte ich mich auf, und beſchloß, dieſen Altar meiner Religion zu verlaſſen, zu fliehen vor meinen Schmerzen, und mein Herz das Vergeſſen zu lehren. So ging ich nach England, ſo nahm ich Lord Stuart's Anerbieten an, und entſchloß mich, ſeine Gemahlin zu werden. Aber es war Alles umſonſt, Alles vergeblich. Was auch meine Lippen ſprechen mochten, mein Herz lag immer noch blutend und zuckend vor dem Altar meiner Erin⸗ rungen. Sie waren mit mir gezogen über das Meer. Sie grüßten mich mit geheimnißvollen Liebesklängen, Sie riefen mich mit dieſen zwei großen, wundervollen Augen, die klar und blau ſind, wie der Himmel und