Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Selbſt die Spione der Frau Groß⸗Kanzlerin, welche beſtändig das Haus der Tänzerin umlagerten, konnten das von der zurückgebliebenen Dienerſchaft nicht erfah⸗ ren. Aber nach einigen Tagen brachten ſie ihr die Nachricht, daß die Barberina zurückgekehrt ſei, daß der Geheimrath von Cocceji mit ihr in ihrem ſchönen neuen Hauſe wohne, und daß die Dienerſchaft von dem Herrn von Cocceji den Befehl erhalten, die Signora jetzt Frau Geheimräthin zu nennen, da ſie jetzt ſeine an⸗ getraute Gemahlin ſei.

Die Frau Groß⸗Kanzlerin lachte verächtlich dazu und hielt das nur für einen Theatercoup. Aber plötz⸗ lich hielt eine Equipage vor ihrem Hauſe, und als die Frau Groß⸗Kanzlerin ein wenig neugierig ſelber an das Fenſter trat, ſah ſie, daß der Kutſcher und der Be⸗ diente eine ſehr ſchöne von Gold ſtrotzende Livrée tru⸗ gen und daß aus dem Schlag dieſer glänzenden Kutſche, die mit dem Wappen der Cocceji geziert war, die Signora Barberina hervorſchaute.

Entſetzt trat ſie vom Fenſter zurück. Da kam der Bediente mit einer Karte herein, die er der Frau Groß⸗Kanzlerin ehrfurchtsvoll überreichte.

Ich bin nicht zu Hauſe, ich nehme keinen Beſuch an, ſchrie die Frau Groß⸗Kanzlerin, nachdem ſie die Karte angeſchaut hatte.

Der Diener eilte von dannen und gleich darauf hörte man auf der Straße das Davonrollen des Wa⸗ gens.

Es iſt alſo doch wahr und ſie hat geſiegt, ächzte die Frau Groß⸗Kanzlerin, immer noch die Karte an⸗ ſtarrend, welche nichts als die lakoniſchen Worte ent⸗ hielt: Monsicur de Cocceji, Madame de Cocceji, néc Barberina. p. f. v. 3