Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Jammern.— Das waren die Kammerfrauen, welche gekommen waren, die Prinzeſſin anzukleiden, und welche ſie mit entſtelltem Geſicht, mit blutunterlaufenen Au⸗ gen, die geſchwollen und ſtarr aus ihren Höhlen her⸗ vorzuquellen ſchienen, auf ihrem Lager fanden.

Man lief nach dem Arzt, nach der Königin, nach dem König ſelbſt. Alles war Verwirrung, Aufregung und Angſt.

Erneſtine von Haak knieete weinend vor dem Bett der Prinzeſſin und flehte, ihr zu ſagen, welch' ein furchtbarer Zufall das ſei und wodurch ihr Antlitz ſo entſtellt ſei.

Aber Prinzeſſin Amalie vermochte nicht zu ant⸗ worten. Ihre Lippen waren krampfhaft aufeinander gepreßt, ſie konnte nur einzelne unarticulirte Laute ſtammeln. 4

Endlich kam der Geheimrath Meckel, und wie er dieſes geröthete und verſchwollene Geſicht, dieſe aus ihren Höhlen hervortretenden Augen gewahrte, und dann das auf dem Tiſch ſtehende Gefäß mit der jetzt erkalteten Mixtur, drückten ſeine Mienen Entſetzen und Kummer aus.

Ah, die Unglückliche, murmelte er, ſie hat meiner Warnungen nicht geachtet. Sie iſt den Dämpfen zu nahe gekommen, und ſie ſind nicht bloß in ihre Au⸗ gen, ſondern auch in ihre Luftröhre eingedrungen. Sie wird viel zu leiden haben und niemals ganz geneſen.

Amalie hatte dieſe an Fräulein von Haak gerich⸗ teten Worte verſtanden, und ein ſchauerliches, wildes Lächeln verzerrte ihre blutigen, hautloſen Lippen.

Aber ſie wird doch geneſen? fragte das Hoffräu⸗ lein angſtvoll.

Sie wird geneſen, aber ihre Augen werden immer entſtellt bleiben und auch ihre Stimme wird für immer