— 193—
eines Königs zu ſtehen, das vermittelnde Band der Liebe zu ſein zwiſchen einem König und ſeinem Volk. Wahrlich, eine ſolche Beſtimmung iſt es wohl werth, daß man ihr ſeine eigenen kleinlichen Wünſche, ſein ganz perſönliches, egoiſtiſches Glück opfere.
Ich habe kein Glück mehr zu opfern, ſeufzte Amalie, denn ich habe kein Glück, und ich verlange es auch nicht. Aber ich will wenigſtens das Recht haben, meinem Gram zu leben, und mir ſelber treu
u ſein.
Treu ſich ſelber iſt nur Derjenige, welcher ſeine Pflicht thut, rief der König. Treu ſich ſelber iſt, wer ſich ſelbſt bezwingt, und wenn er nicht glücklich ſein kann, wenigſtens ſich bemüht, glücklich zu machen. Und dieſes„Glücklichmachen“ das iſt die edle Beſtim⸗ mung der Frau, darin ſoll ihr Egoismus aufgehen und ihr Herz, darin ſoll ſie ihren Troſt, ihre Stärke und ihren Frieden finden. Und wer, meine Schwe⸗ ſter, kann denn von ſich ſagen, daß er glücklich ſei? Unſer Leben beſteht aus unerfüllten Wünſchen, aus vergeblichen Hoffnungen, aus vernichteten Idealen, aus verlorenen Illuſionen. Sieh mich an, Amalie. Bin ich denn Jemals glücklich geweſen? Glaubſt Du, daß es Jemals einen Tag gegeben hat, den ich noch einmal durchleben möchte? Habe ich nicht von frühe⸗ ſter Jugend auf das Unglück, die Entſagung, den Schmerz kennen gelernt. Sind nicht alle Blüthen meines Lebens gebrochen worden? Bin ich nicht ein Sclave meiner Größe geweſen, ein gefeſſelter Menſch, wo ich ein ſtolzer König zu ſein ſchien? Oh, ich will Dir nicht erzählen, was Alles ich gelitten habe, wie man allgemach mein Herz zertreten und zerpflückt hat, ich will Dir nur ſagen, daß ich dennoch niemals ge⸗ wünſcht habe, etwas Anderes zu ſein, als was ich Muͤhlbach Berlin u. Sansſouci ꝛc. IV. 13
4 8


