—
— 45—
den von Euerer Majeſtät mit der größten Huld und Gnade beehrt. Oh, Euere Majeſtät ſind grauſam ge⸗ gen mich, wie eine coquette Schöne. Kaum haben Sie mich durch einen Liebesblick zu dem glückſeligſten der Menſchen erhoben, ſo wenden Sie ſich mit kalter Verachtung von mir und lächeln meinen Nebenbuhlern.
Noch ſitzen zwei Dolchſtöße in meinem Herzen und
verurſachen mir Todesqual. Wenn Euere Majeſtät mich ganz glücklich machen wollen, müſſen Sie mit eigenen hohen Händen mein Herz wieder heilen!
Ich will es, wenn ich es kann, ſagte der König ernſt. Laſſen Sie hören, worüber Sie ſich zu beſchwe⸗ ren haben?
Sire, Euere Majeſtät haben Fréron in Paris zu Ihrem Correſpondenten ernannt. Frérvn, meinen er⸗ bittertſten Feind, meinen wüthendſten, gemeinſten Geg⸗ ner. Aber es iſt nicht deshalb, daß ich Euere Maje⸗ ſtät beſchwöre, ihn zu verabſchieden. Sie werden mich nicht für ſo kleinlich und erbärmlich halten, Sire, zu glauben, daß ich deshalb Euere Majeſtät beſchwören will, dieſes Subject aus Ihren Dienſten zu entlaſſen, oder daß die perſönliche Feindſchaft mich gegen die Ver⸗ dienſte des Schriftſtellers Fréron blind machen könnte. Nein, Sire, es geſchieht, weil Fréron Ihrer Gnade nicht werth iſt, weil Fréron ein öffentlich entehrter, gemeiner Fripon iſt, der mehr als eine gemeine Be⸗ trügerei begangen hat. Sie können alſo denken, Sire,
welch einen Scandal es in Paris erregte, als man
vernahm, daß Euere Majeſtät dieſen Menſchen mit einer Stelle beehrten, welche nur einem Manne von Weisheit und Redlichkeit gebührt. Freron iſt nur des⸗ halb mein Feind, weil ich ihm trotz aller Bitten mein Haus verſchloſſen habe, und ich that das aus Grün⸗
den, welche ihm die Aufnahme in jedem anſtändigen


