Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

— 41—

frommen und gläubigen Paulus verwandeln zu kön⸗ nen. Sie werden in Berlin bleiben, und wenn Sie es nicht freiwillig thun wollen, ſo werde ich Sie mit Gewalt dazu zwingen. Ich werde Sie zu meinem Unterthan machen, ich werde Sie mit Orden und Titeln binden, ich werde Sie nöthigen, ein Gehalt von mir anzunehmen, und dann, wenn Sie mir dann noch entfliehen wollen, dann werde ich das Recht ha⸗ ben, Sie mit Gewalt von jedem Potentaten der Erde zurückzurufen!

Jetzt ward Voltaire's Geſicht wieder ſtrahlend und freudig. Ah, Sire, rief er lächelnd, es wird keiner Gewalt bedürfen, um mich hier zu feſſeln. Ihr Be⸗ fehl allein genügt.

Und Ihre Pflicht! Mein Kammerherr darf nicht auf einen Tag von meinem Hoflager ſich entfernen, ohne meine Erlaubniß zu haben. Ich mache Sie alſo zu meinem Kammerherrn. Ich lege das Band meines Ordens pour le mérite um Ihren Hals, da⸗ mit ich doch ein Band habe, an welchem ich Sie hal⸗ ten kann, und um Sie ganz zu meinem Gefangenen zu machen, gebe ich Ihnen in meinem Schloß zu Potsdam eine Wohnung. Damit Sie ſich dort nicht als Einſiedler fühlen, werden Sie jeden Tag ſechs Couverts für Ihre Freunde bereit haben, und um Ih⸗ nen den Anſchein der Freiheit zu geben, werden Sie Ihre eigene Equipage und Dienerſchaft haben, die Ihnen in allen Dingen gehorchen müſſen, nur dann nicht, wenn Sie Ihren Bedienten befehlen, Ihre Sa⸗ chen einzupacken, und Ihrem Kutſcher, die Reiſeroute nach Rom oder Paris einzuſchlagen. 3

Voltaire hörte den Worten des Königs mit ge⸗ ſpannter, athemloſer Aufmerkſamkeit zu. Etwas Lau⸗ erndes, Argwöhniſches und Unbefriedigtes war in