Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Ah, ſagte der König, jetzt habe ich endlich meinen Voltaire wieder, meinen ſtolzen, begeiſterten Dichter⸗ könig, meinen ruhmſtrahlenden Homeros. Der Ge⸗ nius hat das Krokosmäntelchen des Hofcavaliers ab⸗ geſtreift, und ſtatt der kleinlichen, geſchmeidig demü⸗ thigen Worte finde ich endlich die zerſchmetternde, melodiſche, juwelenfunkelnde, ſtolze Sprache meines Dichters wieder. Willkommen, Voltaire, willkommen, mein Dichterkönig, in Sansſouci, deſſen armer Philo⸗ ſoph nur über Menſchen König iſt, während Ihnen die Geiſter unterworfen ſind. Ah, mein mächtiger König und Herr, ſein Sie gnädig! Sie beſitzen ein ſo großes Königreich, ſchenken Sie mir wenigſtens eine kleine Provinz deſſelben!

Ah, Sire, Sie ſpotten meiner, rief Voltaire. Ich habe Cicero und Cäſar für das Theater geſchrieben, Sie aber ſtellen dieſe beiden größten Männer des gro⸗ ßen Alterthums Beide vereint in Ihrer Perſon auf dem Theater der Welt dar,*) und ich bin hierher ge⸗ kommen, um dieſes Wunder zu ſehen, welches jeden⸗ falls ein höheres Drama iſt, als das meine, und je⸗ denfalls würdiger ausgeführt wird. Denn Euere Majeſtät ſtellen dar, was Sie wirklich ſind, wo aber werde ich Schauſpieler finden können, welche meinen Cäſar, meinen Cicero und Catilina darſtellen könn⸗ ten? Wie ſoll man Couliſſenreißer in große Männer verwandeln, und aus hundewedelnden, kleinen pappe⸗ nen Modehelden freie Römer machen können? Ich habe keine Schauſpieler für meine Tragödie in Paris finden können, und ehe ich es ſchlecht darſtellen laſſe, werde ich es gar nicht geben.

*) Voltaire's eigene Worte. Vol. 58. S. 316.

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