Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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die Entwickelung des Charakters von Cäſar. Keine andere Frau als eine Unglückliche, die um ſo natür⸗ licher von Catilina verführt worden, als, wie die Ge⸗ ſchichte uns lehrt, dies Ungeheuer liebenswürdig war. Ich weiß nicht, Sire, ob Sie beim vierten Akt ſchau⸗

dern werden, aber ich, der Dichter, ich habe dabei ge⸗

bebt und geſchaudert.*) Meine Tragödie iſt nach keinem Modell gearbeitet, ſie iſt ganz neu, in nova fert animus. Freilich wird mich die Welt wieder damit verläſtern und die kleinen Seelen werden mich zähne⸗ fletſchend anbellen, aber mein Werk iſt geſchrieben mit einer großen Seele; die großen Seelen werden mich verſtehen und die eklen kleinen und gemeinen werde ich doch endlich Alle zerſchmettert unter meine Füße niedertreten. Jupiter kämpfte mit den Titanen und bezwang ſie! Nun bin ich kein Jupiter, aber wahr⸗ lich, meine Gegner ſind auch keine Titanen! 3

Und während ſeine Worte ſo in einem unaufhalt⸗ ſamen, mächtigen Strom über ſeine Lippen ſprudelten, war Voltaire ein ganz Anderer geworden. Sein Ant⸗ litz war jetzt von einer leuchtenden, imponirenden Schönheit, ſeine Augen ſtrahlten in einem erhabenen Feuer, ein wundervolles Lächeln umſchwebte ſeine Lip⸗ pen und ſeine vorher gebeugte und zuſammengedrückte Geſtalt war jetzt hochaufgerichtet, ſtolz und gebieteriſch.

Der König hatte ihm mit freudigem Herzen zuge⸗ ſchaut, und als Voltaire jetzt hochaufathmend ſchwieg, legte Friedrich ſeine beiden Hände auf Voltaire's Schul⸗ tern und ſah ihm lange und mit einem unbeſchreib⸗ lichen Ausdruck von Liebe und Zärtlichkeit in das leuchtende Angeſicht. 3

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*) Voltaire's eigene Worte.