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ren mehr betrogen werde. Ich mußte wohl gehorchen, Sire, ich arbeitete unaufhaltſam und in acht Tagen war mein Werk vollendet, Catilina war geboren, aber ich war ſo erſchöpft davon, wie nur jemals eine Frau nach ihrer Entbindung es geweſen.*)
Das heißt, Sie wollen nicht ſagen, daß Sie in acht Tagen eine Tragödie geſchrieben haben? fragte der König. Sie haben den Plan dazu entworfen, und den bringen Sie mir mit und wollen ihn hier ausarbeiten?
Nein, Sire, ich bringe Ihnen die fertige Tragödie, und es iſt wahr, ich habe ſie in acht Tagen geſchrie⸗ ben.**) Ah, Sire, das iſt ein Werk, an dem Sie Freude erleben ſollen! Sie werden da keine verliebte Tullia, keinen ſchwatzhaften, zahnloſen Cicero, aber Sie werden ein furchtbares Bild von Rom ſehen, ein Bild, welches mich ſelber noch erſchaudern macht. Aber, Sire, wenn Sie es leſen, muß ich Sie be⸗ ſchwören, es in dem Sinne zu leſen, in welchem ich es geſchrieben habe. Ich habe meinem Collegen Cre⸗ billon allen dieſen dramatiſchen Plunder gelaſſen, der auf der Bühne einmal hergebracht iſt; ſein Catilina iſt eine reine Fiction, ich habe den meinen in meiner Eigenſchaft als Hiſtoriograph geſchrieben. Bei mir iſt Rom die Hauptperſon; ſie iſt die Liebhaberin, für welche ich will, daß ſich das Publikum von ganz Eu⸗ ropa intereſſire. Ich habe keine andere Intrigue als Rom’s Gefahr; keine andere Verknüpfung als die ra⸗ ſenden Kunſtgriffe Catilina's, die Vehemenz und han⸗ delnde Tugend Cicero's, die Eiferſucht des Senats, — 1
*) Dieſe ganze Rede iſt von Voltaire ſelbſt. Siehe Oeuvres complétes. Vol. 58. p. 277— 78.. *) Voltaire; Geuvres complétes. Vol. 58. p. 273.


