Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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ten ſie jetzt dieſe Liebe langer Jahre bethätigen, indem ſie dieſelbe auf den Prüfſtein ſteten Beiſammenſeins und ununterbrochener Gemeinſchaft legten.

Der König alſo erwartete Voltaire, und wie er jetzt das Heranrollen eines Wagens, dann das Oeffnen der Thüren, das Geräuſch ſprechender Stimmen vernahm, ſprang er mit Heftigkeit von ſeinem Sitz empor und näherte ſich, dem erſten Impuls ſeiner Freude nachge⸗ bend, der Thür, um Voltaire entgegenzueilen. Aber ſchon auf der Schwelle der Thür angelangt, blieb er ſtehen und überlegte. 3

Nein, ſagte er dann, ich werde ihm nicht entgegen⸗

gehen. Vielleicht würde er mich damit nur verſpotten, vielleicht würde er ſich deſſen rühmen. Und mit traurigen Mienen kehrte der König zu

ſeinem Lehnſeſſel zurück und nahm wieder das Buch

zur Hand, in welchem er zuvor geleſen.

Jetzt klopfte es an die Thür, jetzt erſchien der La⸗ kay und meldete den Herrn von Voltaire,— und nun, dieſe Geſtalt, die da auf der Schwelle erſcheint, dieſer Mann mit der etwas zuſammengedrückten ſchmalen Bruſt, dem von Alter oder Krankheit gebeugten Nacken, dieſer Mann mit dem wunderbaren Antlitz, von dem man nicht weiß, ob es das Antlitz eines Satyrs oder eines Halbgottes iſt, deſſen Augen bald von einem göttlichen, bald von einem dämoniſchen Feuer leuchten, deſſen Mund ſich bald zu einer erſchreckenden Grimaſſe, bald zu einem bezaubernden Lächeln öffnet, dieſer Mann iſt Voltaire.

Wie der König dieſen wunderbaren ſprühenden Augen mit ſeinen Blicken begegnete, vergaß er Alles, ſein Königthum und ſeine Würde und Voltaire's Eitel⸗ keit und Bosheit. Er war für ihn nur noch der große

Dichter, das ſtaunenswürdige Genie, und mit dieſem

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