Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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theilsloſeſten Freidenker, die beiden genialſten Philoſo⸗ phen ihres Jahrhunderts, den Cultus der Freundſchaſt begehen? In dieſem Tempel von Nebelduft wollten ſie einander umarmen, während doch das zweiſchnei⸗ dige Schwert des gegenſeitigen Mißtrauens und Arg⸗ wohns ſchon zwiſchen ihnen hing und mit ſeinem un⸗ heimlichen Blitzen und Funkeln ſie Beide hätte zurück⸗ ſchrecken ſollen. Beide glaubten ſie nicht mehr an die Tiefe ihrer Freundſchaft, und dennoch, je weniger ſie daran glaubten, mit deſto beredteren Worten ſprachen ihre Lippen von der Ewigkeit und Unvergänglichkeit derſelben. Jeder von ihnen ſagte zu ſich:ich, allein will die Früchte dieſer Freundſchaft genießen und dem Andern nur die Blüthen derſelben geben. Beide be⸗ dachten ſie nicht, daß ſolche Blüthen immer nur künſt⸗ lich, geruchlos und bald verblüht ſein müßten, wie glänzend ſie beim erſten Anblick auch erſcheinen möch⸗ ten.

Der König konnte Voltaire nie verzeihen, daß er ½ einſt, im jugendlichen Ungeſtüm ſeiner Begeiſterung, b ſich ſo weit herabgelaſſen hatte, Voltaire die Hand zu küſſen*), und daß der ſtolze, ehrgeizige Dichter dieſe Huldigung laut ausgeprahlt hatte in die Welt, während er ſie als ein zugleich heiliges und gefährliches Ge⸗ heimniß in dem tiefſten Schrein ſeines Herzens hätte verbergen ſollen.

6 Voltaire zürnte dem König, weil er jüngſt erſt an f den jungen Dichter d'Arnaud ein Gedicht gemacht, in welchem er Voltairedie untergehende, d'Arnauddie aufgehende Sonne nennt.**) Und doch liebten ſie Beide einander, und doch woll⸗ *) Thiébault V. S. 245. Preuß I. S. 254. **½) Oeuvres posthumes.